EMDA-Therapie
Die EMDA-Therapie wird angewendet bei:
- Interstitieller Zystitis (IC)
- chronischen Blasenschmerzen
- therapierefräktärer überaktiver Blase (OAB)
- Verstärkung einer Mitomycin-Therapie bei Harnblasenkarzinom
Wie funktioniert die EMDA-Therapie?
Die meisten Medikamente weisen eine positive oder negative elektrische Ladung auf. Diese Eigenschaft macht man sich bei der EMDA-Therapie zunutze.
Hierbei wird ein spezieller, mit Elektroden versehener Katheter in die Harnblase eingeführt. Zwei weitere Elektroden werden auf dem Unterbauch fixiert. Nachdem die Blase mit speziellen, für die entsprechende Erkrankung zusammengestellten Medikamenten gefüllt ist, werden die Elektroden an einen medizinischen Generator angeschlossen und ein schwaches elektrisches Feld angelegt.
Hierbei wirken drei physikalische Mechanismen gleichzeitig:
- Elektrophorese: Geladene Molekülanteile werden durch das elektrische Feld entsprechend ihrer Ladung bewegt.
- Elektroosmose: Der Stromfluss erzeugt einen Flüssigkeitstransport durch die Schleimhaut, der das Medikament passiv mitzieht.
- Erhöhte Membranpermeabilität: Das elektrische Feld macht Zellmembranen vorübergehend durchlässiger und damit aufnahmefähiger für Medikamente.
Das Ergebnis: eine deutlich höhere Wirkstoffkonzentration im Gewebe. Genau dort, wo sie gebraucht wird.
EMDA bei interstitieller Zystitis und chronischen Blasenschmerzen
Bei der interstitiellen Zystitis und chronischen Blasenschmerzen wird eine Mischung aus Lidocain, Adrenalin und Fibrase in die Blase eingebracht. Die Wirkung der Medikamente richtet sich gezielt gegen die Schmerzen und die chronische Entzündung der Blasenwand.
Nach Ablauf der elektrischen Behandlung besteht weiterhin die Möglichkeit einer Blasendehnung, um das Blasenfassungsvermögen zu vergrößern. Hierbei wird über den bereits liegenden Katheter sterile Kochsalzlösung in die Blase gefüllt, um diese etwas aufzudehnen (Hydrodistension).
EMDA bei therapierefräktärer überaktiver Blase
Wenn Sie unter einer überaktiven Blase leiden, die nicht oder nicht ausreichend auf eine medikamentöse Behandlung anspricht, stellt die EMDA eine weitere Therapieoption dar. Hierbei wird eine Mischung aus Lidocain und Oxybutynin in die Blase eingebracht, um die Reizungen in der Blasenwand zu reduzieren.
EMDA bei der Mitomycin-Nachbehandlung des Harnblasenkarzinoms
Bei einem Harnblasenkarzinom im Stadium pTa soll leitliniengerecht eine Nachbehandlung mit regelmäßigen Mitomycin-Instillationen der Harnblase erfolgen. Auch hierbei sorgt die EMDA für eine erhöhte Mitomycin-Konzentration im Gewebe und damit für eine verbesserte Wirksamkeit.
Behandlungsschema bei interstitieller Zystitis und chronischen Blasenschmerzen
Die ersten drei Behandlungen werden zeitlich genau festgelegt: Nach der ersten Behandlung folgt die zweite Behandlung zwei Wochen später. Vier Wochen nach der zweiten folgt die dritte Behandlung.
In Abhängigkeit des Behandlungserfolges und dem Auftreten erneuter Symptome werden gegebenenfalls weitere Therapieeinheiten notwendig, wobei versucht werden sollte, die zeitlichen Intervalle zu verlängern.
Therapieschema bei Harnblasenkarzinom
Mitomycin C 40 mg einmal wöchentlich für 6 Wochen, danach für insgesamt 1 Jahr einmal monatlich. Die Behandlung beginnt ca. 4 Wochen nach der operativen Behandlung (TUR-B).
Klinische Studien zeigen, dass dieses Vorgehen zu einem verbesserten Therapieansprechen (Rezidivfreiheit) gegenüber der alleinigen Gabe von Mitomycin führt.
Kontraindikationen
Wichtiger Hinweis: Eine EMDA-Therapie kann nicht durchgeführt werden bei dauerhafter Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Marcumar, Xarelto, Brilique, ASS) sowie bei Vorhandensein elektrischer Implantate (z. B. Herzschrittmacher, Defibrillator, Neurostimulator).
